
Wenn wir das Wort Führung hören, denken viele zuerst an eine berufliche Position.
An Teamleitung. Personalverantwortung. Management. Geschäftsführung.
An Menschen, die qua Funktion Entscheidungen treffen und Verantwortung für andere tragen.
Aber Führung beginnt für mich nicht mit einer Position.
Und sie endet auch nicht an der Bürotür.
Vielleicht führst Du überhaupt kein Team.
Vielleicht steht in Deiner Stellenbeschreibung nichts von Personalverantwortung.
Und trotzdem führst Du jeden Tag.
Du gibst Orientierung, wenn andere nicht weiterwissen.
Du triffst Entscheidungen.
Du hältst Dinge zusammen.
Du bemerkst Spannungen, bevor jemand sie ausspricht.
Du übernimmst Verantwortung, wenn etwas liegen bleibt.
Vielleicht bist Du in Deiner Familie die Person, die den Überblick behält.
Vielleicht bist Du die Kollegin, bei der andere landen, wenn es schwierig wird.
Vielleicht leitest Du ein Projekt, koordinierst Menschen, vermittelst zwischen unterschiedlichen Interessen oder bist einfach der Mensch, der hinschaut, wenn andere längst weitergegangen sind.
All das steht möglicherweise auf keiner Visitenkarte.
Und trotzdem hat es für mich sehr viel mit Führung zu tun.
Wir führen viel häufiger, als wir denken
Führung findet nicht nur in Organigrammen statt.
Wir führen in Beziehungen.
In Familien.
In Projekten.
In schwierigen Gesprächen.
Wir führen, wenn wir Orientierung geben.
Wenn wir Verantwortung übernehmen.
Wenn wir eine Entscheidung treffen, obwohl noch nicht alle Antworten vorliegen.
Wenn wir aussprechen, was andere lieber umgehen würden.
Aber Führung kann auch ganz anders aussehen.
Manchmal führen wir, indem wir Nein sagen.
Indem wir eine Grenze setzen.
Indem wir jemandem zutrauen, eine eigene Lösung zu finden, statt sofort einzuspringen.
Oder indem wir aufhören, Verantwortung für etwas zu übernehmen, das eigentlich gar nicht unsere Verantwortung ist.
Und genau an diesem Punkt wird Führung für mich besonders interessant.
Denn je mehr ein Mensch trägt, desto wichtiger wird eine andere Frage.
Wer führt eigentlich Dich?
Wer bemerkt, wann Du Deine eigenen Grenzen überschreitest?
Wer prüft, ob Dein Ja tatsächlich ein Ja ist – oder ob Du gerade zustimmst, weil Du niemanden enttäuschen möchtest?
Wer hält inne, bevor Du die nächste Aufgabe übernimmst?
Wer fragt, ob die Richtung, in die Du läufst, überhaupt noch Deine ist?
Und wer bleibt bei einer Entscheidung, wenn andere Menschen sie nicht verstehen oder sogar ablehnen?
Die Antwort klingt zunächst einfach:
Du.
In der Realität ist sie häufig sehr viel komplexer.
Denn wir treffen Entscheidungen nicht in einem luftleeren Raum.
Wir bringen unsere Erfahrungen mit.
Unsere Bedürfnisse.
Unsere Vorstellungen davon, wer wir sein müssen.
Unsere Beziehungen.
Unsere Loyalitäten.
Unsere Ängste.
Und Rollen, die wir vielleicht schon so lange erfüllen, dass wir kaum noch bemerken, dass es Rollen sind.
Genau deshalb bedeutet Selbstführung für mich nicht, sich einfach „besser im Griff“ zu haben.
Selbstführung ist nicht Selbstkontrolle
Für mich beginnt Selbstführung dort, wo ein Mensch sich selbst noch wahrnehmen kann, während er Verantwortung trägt.
Das ist ein großer Unterschied.
Denn Verantwortung kann uns sehr schnell nach außen ziehen.
Was wird gebraucht?
Wer braucht mich?
Was muss entschieden werden?
Was könnte schiefgehen?
Wie löse ich das?
Was erwarten die anderen?
Und irgendwann kann es passieren, dass wir all diese Fragen hervorragend beantworten können – nur die eigenen kaum noch.
Was brauche ich?
Was möchte ich?
Wo ist meine Grenze?
Welche Verantwortung gehört wirklich zu mir?
Welche Entscheidung entspricht mir?
Und was geschieht in mir, wenn jemand mit meiner Entscheidung nicht einverstanden ist?
Selbstführung bedeutet für mich deshalb nicht, immer souverän zu reagieren.
Nicht, keine Zweifel zu haben.
Nicht, jederzeit genau zu wissen, was richtig ist.
Und ganz sicher nicht, alles allein schaffen zu müssen.
Es bedeutet vielmehr, mit sich selbst in Kontakt bleiben zu können, während etwas von uns verlangt wird.
Mich interessiert der Mensch, der führt
Vielleicht ist das einer der Gründe, warum mich Führung nie ausschließlich als berufliche Rolle interessiert hat.
Mich interessiert nicht nur:
Wie trifft jemand bessere Entscheidungen?
Wie kommuniziert jemand klarer?
Wie setzt jemand Grenzen?
Wie übernimmt jemand Verantwortung?
Mich interessiert der Mensch dahinter.
Was passiert in ihm, wenn er eine Grenze setzen möchte?
Was geschieht, wenn jemand enttäuscht reagiert?
Was macht eine Entscheidung schwer, obwohl sie rational längst klar erscheint?
Warum übernimmt jemand immer wieder Verantwortung, obwohl er eigentlich längst erschöpft ist?
Warum fällt es einem Menschen leicht, für andere einzustehen – und so schwer, für sich selbst dasselbe zu tun?
Und genau an dieser Stelle beginnt für mich Coaching.
So arbeite ich damit im Coaching
Wenn ein Mensch mit einem konkreten Problem zu mir kommt, interessiert mich selbstverständlich zunächst dieses Problem.
Aber ich bleibe nicht zwangsläufig dort stehen.
Denn das, was wir an der Oberfläche sehen, ist nicht immer das gesamte Thema.
Nehmen wir jemanden, der sagt:
„Ich muss endlich lernen, Nein zu sagen.“
Natürlich können wir Formulierungen für ein klares Nein erarbeiten.
Aber vielleicht weiß dieser Mensch längst, wie man Nein sagt.
Die spannendere Frage könnte sein:
Was geschieht in Dir, wenn Du es tatsächlich tun möchtest?
Vielleicht taucht sofort die Sorge auf, jemanden zu enttäuschen.
Vielleicht fühlt sich ein Nein egoistisch an.
Vielleicht gehört es seit Jahren zum eigenen Selbstbild, die Person zu sein, auf die man sich immer verlassen kann.
Oder das Problem ist gar nicht die Grenze selbst, sondern das Gefühl danach.
Dann arbeiten wir nicht einfach an einem besseren Satz.
Wir schauen auf das Zusammenspiel.
Welche Verantwortung trägst Du – und welche davon gehört tatsächlich zu Dir?
Wo entscheidest Du aus Klarheit – und wo aus einer Rolle, die Du vielleicht schon sehr lange erfüllst?
Was passiert mit Deinen Grenzen, wenn jemand von Dir enttäuscht ist?
Was brauchst Du, um Dich sicher genug zu fühlen, eine Entscheidung auch dann zu halten, wenn sie nicht allen gefällt?
Und:
Wie kannst Du Verantwortung übernehmen, ohne Dich selbst darin zu verlieren?
Das ist für mich Coaching.
Nicht einem Menschen zu sagen, wie er besser funktionieren, führen oder entscheiden soll.
Sondern gemeinsam sichtbar zu machen, was sein Handeln tatsächlich beeinflusst.
Denn erst wenn ich wahrnehmen kann, was gerade geschieht, entsteht überhaupt die Möglichkeit, nicht automatisch wieder genauso zu reagieren wie bisher.
Deshalb gehören diese Themen für mich zusammen
Sicherheit.
Klarheit.
Identität.
Entscheidungen.
Grenzen.
Inneres Vertrauen.
Selbstführung.
Für mich sind das keine zufällig nebeneinanderstehenden Coachingthemen.
Sie beeinflussen sich gegenseitig.
Eine Grenze kann sich vollkommen klar anfühlen – bis jemand enttäuscht darauf reagiert.
Eine Entscheidung kann rational richtig sein – und trotzdem etwas in unserem Gefühl von Sicherheit berühren.
Verantwortung kann gewählt sein – oder so sehr zu einer Rolle geworden sein, dass wir gar nicht mehr bemerken, wie automatisch wir sie übernehmen.
Und manchmal wissen wir längst, was wir möchten, vertrauen uns aber noch nicht genug, um danach zu handeln.
Genau deshalb schaue ich in meiner Arbeit auf den Menschen und das Zusammenspiel dieser Ebenen.
Nicht, weil mit ihm etwas nicht stimmt.
Sondern weil menschliches Handeln selten so eindimensional ist, wie es von außen aussieht.
Vielleicht führst Du längst
Vielleicht steht auf Deiner Visitenkarte tatsächlich nichts von Führung.
Vielleicht leitest Du kein Team.
Vielleicht hast Du keine Personalverantwortung.
Aber vielleicht bist Du in Deiner Familie die Person, an der sich andere orientieren, wenn es schwierig wird.
Vielleicht bist Du diejenige, die Entscheidungen trifft, vermittelt, Verantwortung übernimmt oder Dinge zusammenhält.
Und trotzdem orientieren sich Menschen an Dir.
Du entscheidest.
Du trägst.
Du vermittelst.
Du hältst aus.
Du setzt Grenzen – oder versuchst gerade, es zu lernen.
Du übernimmst Verantwortung.
Vielleicht sehr viel Verantwortung.
Dann ist für mich nicht nur interessant, wen oder was Du führst.
Mich interessiert eine andere Frage mindestens genauso sehr:
Wie führst Du Dich selbst, während Du all das trägst?
Denn genau dort beginnt für mich Führung, die nicht auf einer Visitenkarte stehen muss.
Und genau dort beginnt ein wesentlicher Teil meiner Arbeit als Coach.
Wenn du merkst, dass dich genau solche Situationen gerade beschäftigen, melde dich gern bei mir.
Oder lass uns in einem kurzen Gespräch schauen, was sich für dich verändern darf.
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